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Gegründet 1958 Erweitert 2007
Viele Höhepunkte und gute Aussichten
Das Siebengebirge hat mehr als sieben Berge - nämlich 42 große und kleine Gipfel, bedeckt von einem der größten zusammenhängenden Buchenwaldgebiete des Rheinlandes. Der Drachenfels ist sicher der berühmteste dieser Berge, aber auch der Petersberg, die Löwenburg oder der höchste von allen, der 461 Meter hohe Ölberg, locken mit einmaligen Aussichten und Superlativen: Im Siebengebirge liegt das einzige Weinbaugebiet Nordrhein-Westfalens und die älteste Zahnradbahn Deutschlands.
Bevor der Rhein die Kölner Bucht und die weiten Ebenen des Niederrheins erreicht, fließt er bei Bonn dicht an einem Massiv von bewaldeten Bergkuppen entlang - dem Siebengebirge. Diese märchen- und sagenumwobene Landschaft ist seit 1923 Naturschutzgebiet und als Naturpark seit 1971 mit dem Europa-Diplom ausgezeichnet - auch das ist für Nordrhein-Westfalen einmalig!
Die Landschaft: Von Vulkanen geformt
Als Teil des Rheinischen Schiefergebirges wurde die Landschaft durch den tertiären Vulkanismus vor circa 25 Millionen Jahren geformt. So finden wir heute eine Vielzahl von Gesteinen und beispielsweise am Weilberg (10) einen ehemaligen Steinbruch, der einen faszinierenden Einblick in die Erdgeschichte gibt. Ehemalige Steinbrüche sind heute noch Zeuge der von den Römern begonnenen Nutzung des Siebengebirges. Am Drachenfels sind bis heute Spuren der Römer zu sehen. Der dortige Steinbruch lieferte den Trachyt, das Material für den Bau des Kölner Domes im Mittelalter. Aber auch an anderen Stellen wurden Steine abgebaut - beispielsweise der Latit an der Wolkenburg (11) für den Bau des Brühler Schlosses in der Barockzeit oder der Basalt vom Ölberg für die Befestigung der Rheinufer im 19. Jahrhundert.
Die Zerstörung der Landschaft des Siebengebirges durch den Steinabbau war groß. Mit dem Beginn der Rheinromantik und dem Aufkommen der Rheinreisenden erkannte man diese Gefahr. Durch Anweisung des preußischen Königs wurde der Steinbruch am Drachenfels (6) 1836 aufgekauft und der weitere Abbau gestoppt. Dadurch wurden die Burgruine und das einmalige Panorama des Siebengebirges am Rhein gerettet. Gut 40 Jahre später gründeten einflussreiche Bonner Bürger den Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS), der gegen die fortgesetzte Zerstörung des Siebengebirges vorging und erreichte, dass nach und nach die übrigen Steinbrüche stillgelegt wurden. Noch heute setzt sich der Verein für den Schutz der Kulturlandschaft und den Erhalt der vielfältigen natürlichen Lebensräume im Siebengebirge ein.
1923 wurde das ganze Siebengebirge rechtsformal zum Naturschutzgebiet erklärt und ist damit, nach der Lüneburger Heide, das zweitälteste Naturschutzgebiet in Deutschland. Auf den Bergen befinden sich große, alte Buchenwälder, aber auch trockene Eichenwälder und schroffe Felsen. Trotz der relativ übersichtlichen Größe von 48 Quadratkilometern bietet das Siebengebirge auf kleinstem Raum eine große Vielfalt an Landschafterlebnissen. Die Ausweisung als Naturpark im Jahre 1957 und die Verleihung des Europa-Diploms im Jahre 1971 zeigen die große Bedeutung des Siebengebirges als Erholungsgebiet und als Teil des europäischen Biotopverbundnetzes (FFH-Gebiet).
Naturerlebnis
Von Bonn, Königswinter oder Bad Honnef aus führen circa 200 Kilometer Wanderwege und ein Reitwegenetz durch das Siebengebirge. Viele schmale Pfade bieten immer wieder Ausblicke in das Rheintal bis Köln, auf die Eifel und in den Westerwald. Der traditionelle "Rheinhöhenweg" und der neue "Rheinsteig" für sportliche Wanderungen führen zu den Höhepunkten des Naturparks. Die Kulturlandschaft mit ihren schattigen Buchenwäldern, knorrigen Eichen, Streuobstwiesen, Weinbergen, Bachläufen und Felswänden bietet im Wechsel der Jahreszeiten ein vielfältiges Naturerlebnis. Der VVS als Naturparkträger, das Land Nordrhein-Westfalen und viele freiwillige Helferinnen und Helfer pflegen diese Lebensräume und erhalten damit eine große Artenvielfalt. Im Siebengebirge leben etwa 80 Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen. Darunter der Schwarzspecht und der Feuersalamander, die in alten Buchenwäldern heimisch sind oder der Wanderfalke und die Zauneidechse, die in den Felsen der ehemaligen Steinbrüche ihren Lebensraum finden. In den Bächen und Tümpeln kommen die Gelbbauchunke und die Geburtshelferkröte vor. Auch der Uhu lebt wieder im Siebengebirge.
Besucherinformation und Naturparkhaus
Der VVS bietet auf der Margarethenhöhe ein Naturparkhaus mit einer Ausstellung "drinnen und draußen" über die Geologie, die Lebensräume und den Naturschutz im Siebengebirge. Hier erhalten Interessierte alle Informationen für den Aufenthalt im Siebengebirge. Besonders für Kinder werden Landschaft, Natur und Tierwelt zu einem kleinen Erlebnis gemacht. Welche Steine gibt es im Siebengebirge? Was lebt im Boden? Für diese Fragen gibt es im Naturparkhaus die Möglichkeit, selber mit Lupen und Originalobjekten Antworten zu finden. Empfehlenswert ist auch ein Besuch des Siebengebirgsmuseums (8) in Königswinter. Hier wird besonders die Geschichte der Steinbrüche und des Tourismus im Siebengebirge erzählt. Das Museum zur Geschichte des Naturschutzes (7) in der Vorburg von Schloss Drachenburg informiert über die Entwicklung der Naturschutzgeschichte in Deutschland. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung stehen vor allem Persönlichkeiten, die sich beispielhaft für den Schutz der Natur einsetzen. Ein Weinlehrpfad in Oberdollendorf (13) erklärt den Weinanbau im Siebengebirge.
Kultur
Die Ruine des Bergfrieds auf dem Drachenfels (6) ist das markante Wahrzeichen des Siebengebirges. Der Bau der Burg wurde im Jahre 1138 vom Kölner Erzbischof Arnold begonnen. Sie sicherte das kurkölner Gebiet nach Süden ab. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burganlage zerstört. Ein großer Teil fiel danach noch den Steinbrüchen zum Opfer, bevor 1836 der Drachenfels als "erste Großtat eines deutschen Staates" unter Schutz gestellt wurde. Der Drachenfels ist mit der Zahnradbahn (8), aber auch zu Fuß, mit einer Kutsche oder traditionell auf einem Esel zu erreichen. Auf dem Weg dorthin liegt die Nibelungenhalle mit einem Reptilienzoo und die Drachenburg (7), ein gründerzeitliches Schloss, das als Meisterwerk der Neugotik gilt. Die Innenräume sind original wiederhergestellt und können besichtigt werden. Der Petersberg (5) wurde im 12. Jahrhundert von Zisterziensermönchen besiedelt, die später im Tal das Kloster Heisterbach (9) erbauten, von dem heute nur noch die Chorruine zeugt. Auf dem Petersberg wurde 1914 von dem Kölner Industriellen Ferdinand Mülhens ein Hotel errichtet, das bis heute weithin sichtbar den Berg prägt und eine bedeutende Rolle in der deutschen Geschichte gespielt hat.
Der Gipfel des Ölberges (1) mit seinem Gasthaus und der Aussichtsterrasse bietet eine hervorragende Fernsicht - von der Hohen Acht in der Eifel bis zum Kölner Dom und im Süden zum Taunus hin. Die Löwenburg (2) wird von den eindrucksvollen Resten einer Burganlage der Grafen van Sayn geprägt, die von hier aus in geschützter Lage die Grenze gegen die Erzbischöfe von Köln sicherten. In Rhöndorf (12) mit seinem romantischen Dorfplatz am Fuß des Drachenfelsens ist das Wohnhaus des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, zu besichtigen.
INFO: Im Naturparkhaus auf der Margarethenhöhe erhält der Besucher alle notwendigen Informationen zum Naturpark. Außerdem kann er dort die ständige naturkundliche Ausstellung besuchen.
Das Siebengebirge atmet Geschichte; am Fuße des Drachenfelsens steht unter anderem das Wohnhaus des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Weitere historisch bedeutsame Stätten finden sich in der Umgebung.
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